Fühlen Sie sich von Ihrem Gegenüber immer verstanden? Oder haben Sie manchmal das Gefühl, gegen eine Wand zu reden, an der der Sinn des Gesagten einfach abprallt? Vielleicht drücken Sie sich ja falsch aus. Vielleicht hört Ihnen Ihr Gegenüber aber auch ganz einfach nicht richtig zu. 

Was kein Wunder wäre – denn die Fähigkeit zum Zuhören ist beim Menschen grundsätzlich leider nicht gut entwickelt. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wird das Zuhören oft nur vorgespielt, so dass nur etwa 20 Prozent des Gesagten überhaupt registriert wird. So unglaublich es sich anhört, erinnert sich ein Durchschnittsmensch nach einem Gespräch lediglich an sechs Prozent des Gesagten. Denn die Aufmerksamkeit konzentriert sich lediglich auf Stichworte, die den Zuhörer emotional betreffen. 

PRAXISBEISPIEL

Sollten Sie (wieder einmal) das Gefühl haben, dass Ihnen Ihr Gesprächspartner nicht richtig zuhört, dann lassen Sie doch das eine oder andere Signalwort wie „Verlust“, „Urteil“ oder „Steuer“ in das Gespräch einfließen – und sie werden sehr schnell wieder die volle Aufmerksamkeit Ihres Zuhörers haben. 

Zuhören ist geistige Schwerarbeit – etwa so anstrengend wie das Halten einer Rede und viel anstrengender als Lesen: Die Denkleistung des Gehirns  liegt bei zirka 520 Worten pro Minute, die fürs Hören zuständige Hirnregion kann allerdings nur etwa 130 Worte pro Minute verarbeiten – und „hinkt“ einem halbwegs flüssigen Gespräch somit immer hinterher. Während wir also dem Sprecher lauschen, ist unser Gehirn noch damit beschäftigt, das vorher Gesagte zu verarbeiten – es entsteht ein sogenanntes „kognitives Vakuum“, das wir mit allem füllen, was uns gerade so in den Sinn kommt. Dabei werden wir immer unkonzentrierter und „schalten“ im schlimmsten Fall „ganz ab“. 

Die Fähigkeit, jemandem zuzuhören   

Aber auch das aktive Zuhören lässt sich trainieren, eignet man sich als Voraussetzung hierfür folgende acht grundlegenden Fähigkeiten an – im Einzelnen die Fähigkeit, 

1. … möglichst wenig zu unterbrechen; 
2. … Unterschiede tolerieren zu können; 
3. … negative Wertungen zurückzustellen; 
4. … auszudrücken, was verstanden wurde; 
5. … etwas nicht gleich verstehen zu müssen; 
6. … weiterführende Fragen zu stellen; 
7. … Gefühle und Intuition mit einzubeziehen.  

1. Die Fähigkeit, möglichst wenig zu unterbrechen  

Bei einem Dauerredner ist das Unterbrechen ein nützliches Instrument in der Gesprächsführung. Ansonsten sollte man Unterbrechungen allerdings tunlichst vermeiden – denn sie verhindern, dass sich ein Gespräch richtig entwickeln und „in die Tiefe gehen“ kann. Geben Sie Ihrem Gesprächspartner auch ruhig die Möglichkeit, eine Pause einzulegen, in der sich das Gesagte und Gehörte „setzen“ kann, ohne gleich mit Ihren Argumenten vorzupreschen. 

2. Die Fähigkeit, Unterschiede tolerieren zu können 

Unterschiedliche Meinungen und Interessen können ein Gespräch beleben – wenn man sie akzeptiert und nicht stur auf der eigenen Sichtweise beharrt. Gehen Sie stets mit der grundsätzlichen Bereitschaft in ein Gespräch, sich von den Argumenten Ihres Gesprächspartners überzeugen zu lassen. 

3. Die Fähigkeit, negative Wertungen zurückzustellen 

Verzichten Sie darauf, die Äußerungen Ihres Gesprächspartners zu früh negativ zu bewerten. Einwürfe wie „Aber das ist doch Unsinn“ oder „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst“ erweisen sich schnell als Gesprächskiller: Der Gesprächspartner fühlt sich - aus seiner Sicht völlig zu Unrecht - von Ihnen angegriffen und rechtfertigt sich. Oder er fühlt sich gekränkt und wird einsilbig, bricht womöglich das Gespräch ganz ab. Natürlich sollen auch Sie Ihre Meinung zum Gesagten vorbringen können – aber zum gegebenen Zeitpunkt (nämlich wenn der Gesprächspartner Ihr Feedback erwartet) und in einem sachlichen Ton. 

4. Die Fähigkeit, auszudrücken, was verstanden wurde  

Teilen Sie Ihrem Gesprächspartner durch kurze Rückmeldungen mit, dass Sie zuhören und sowohl den Inhalt wie – ganz wichtig – auch den Sinn des Gesagten verstanden haben. Denn Menschen neigen dazu, in einem Gespräch unterschwellig Botschaften auszusenden, die hinter den Worten oder zwischen den Zeilen verborgen sind. Mit Formulierungen wie „Ich weiß, was du meinst“ oder „Aha, dir ist also wichtig, das …“ signalisieren Sie dem Gesprächspartner, dass seine Botschaft bei Ihnen angekommen ist.  

5. Die Fähigkeit, etwas nicht gleich verstehen zu müssen 

Es liegt natürlich aber auch in der Natur der Sache, dass wir unsere Gesprächspartner, ja selbst den Partner, nicht immer oder nicht immer gleich verstehen. Mit Äußerungen wie „Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen“ oder „Das würde ich ganz anders machen“ bauen Sie aber eine verbale Mauer auf, die schwer wieder einzureißen ist. Nehmen Sie einfach hin, etwas nicht gleich ganz zu verstehen, und bringen Sie Ihre Haltung durch diplomatischere Formulierungen zum Ausdruck – etwa „Ich kann das zwar noch nicht so recht nachvollziehen, aber Sie scheinen ja davon überzeugt zu sein“ oder „Ich habe das Gefühl, dass Sie sich in dieser Sache selbst noch nicht ganz sicher sind“.  

6. Die Fähigkeit, weiterführende Fragen zu stellen 

Stellen Sie Ihrem Gesprächspartner interessierte und intelligente Fragen, über die er erst nachdenken muss, bevor er sie beantworten kann:  
•  „Warum interessieren Sie sich gerade so sehr für …?“ 
•  „Was hat für Sie in … den höchsten Stellenwert?“ 
•  „Wer bedeutet Ihnen in … am meisten, und warum?“ 

7. Die Fähigkeit, Gefühle und Intuition mit einzubeziehen  

Neben dem eigentlichen Gesagten vermitteln Tonfall, Gestik und Mimik des Sprechers uns wichtige Informationen über seine Haltung. Zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie diese Informationen erhalten haben. Äußerungen wie „Sie wirken doch etwas bedrückt“ oder „Sie sind von der Sache ja richtig begeistert“ ermutigen den Anderen, Ihnen gegenüber ganz offen zu sprechen.  

Die Voraussetzung, diese Fähigkeiten verinnerlichen zu können, ist neben der konsequenten Anwendung der genannten Gesprächsregeln natürlich auch die richtige innere Einstellung zum Gegenüber: Nehmen Sie Ihren Gesprächspartner und sein Anliegen ernst und versuchen Sie grundsätzlich, ohne eine vor gefasste Meinung in ein Gespräch zu gehen.
 

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